Die erste Nacht war kurz. Sehr kurz.
Martin hatte dem Busfahrer am Vorabend noch Frühstück versprochen. Also stand er früh auf, schmierte ein paar Bötterkes für die Weiterfahrt und legte sich anschließend noch einmal hin.
Ich dagegen war eine Stunde zu früh wach. Auch schön. Also habe ich die Zeit genutzt, in der Küche schon einmal etwas umzuräumen und die ersten Geräte aufzubauen. Schließlich hat noch nicht alles seinen festen Platz – und manches vermutlich nicht einmal einen vorübergehenden.
Beim Frühstück zahlte sich dann die Vorbereitung vom Vorabend aus: Alles schnell auf die Tische, Müsli und Obst bereitstellen, Brötchen aufbacken – fertig.
Danach spülen, kurz durchatmen und weiter mit dem Mittagessen.
Hier zeigte sich dann doch, dass wir in der neuen Küche noch nicht vollständig angekommen sind. Zutaten, Geräte und Arbeitsmaterialien waren zwar alle irgendwo vorhanden – nur nicht unbedingt dort, wo man sie gerade brauchte. Deshalb mussten wir den Start des Mittagessens um 15 Minuten verschieben.
Aber dann stand alles bereit: Nudeln mit Hähnchengeschnetzeltem und Salat. Für die Vegetarier gab es Wraps mit einer würzigen Gemüsefüllung, die anschließend noch in der Pfanne angebraten wurden.
Nach dem Spüldienst wurde die Küche wieder aufgeräumt und der Kuchen für den Nachmittag im Kühlhaus für den Tagesleiter bereitgestellt.
Dann war Mittagspause. Die wurde für alles genutzt, was gerade nötig war: spielen, telefonieren, einen Powernap machen und Anleitungen erstellen.
Am Nachmittag wurde der Kuchen aufgeschnitten. Und weil versprochen nun einmal versprochen ist, gab es anschließend mit einigen Teilnehmenden noch eine Runde „Paper Tales“.
Schöne Sache, das.
Während die Teilnehmenden danach in ihre AGs starteten, ging es für uns zurück in die Küche. Die Soße wurde noch etwas aufgepeppt und aus den Resten vom Mittagessen entstand ein schöner Auflauf. Semmelbrösel darüber, ab in den Ofen – und ab ging die wilde Fahrt.
Der weitere Plan war eigentlich ganz einfach: in aller Ruhe die Küche aufräumen.
Eigentlich.
Martin hatte nämlich mitbekommen, dass die Teilnehmenden „Die Stunde der Wahrheit“ spielten. Und weil eine ruhige Küche offenbar vollkommen überbewertet wird, hatte er uns kurzerhand als Küchenteam angemeldet.
Also wurde zwischen Aufräumen und Abwasch noch schnell trainiert. Die Aufgaben waren schließlich klar verteilt:
Patricia übernahm die Bierdeckelpyramide.
Martin bereitete sich darauf vor, 40 Länder mit ihren Hauptstädten aufzuschreiben und mit drei Bällen zu jonglieren.
Und ich sollte mir 50 vollkommen willkürliche Begriffe merken.
Wie weit die Küche beim Anpfiff des WM-Finales war, kann man sich ungefähr vorstellen. Aber der Einsatz hat sich gelohnt: Das Küchenteam belegte den vierten von acht Plätzen.
Ich bin entzückt.
Danach musste die Küche dann allerdings doch noch fertig werden. Martin schaute anschließend den Rest des Finales, während ich schon einmal ins Bett ging.
Grundsätzlich bin ich von der Ruhe in unserem Zimmer wirklich begeistert. Wenn allerdings eine Rote Karte gezeigt wird oder in der zweiten Hälfte der Verlängerung ein Tor fällt, könnte man kurz den Eindruck bekommen, man schlafe direkt im Stadion.
Dieser Bericht ist leider nicht ganz pünktlich erschienen. Ich versuche, mich zu bessern.
Aber wie der nächste Morgen angefangen hat, dürft ihr dann im nächsten Bericht lesen.
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