Der erste Küchentag begann für mich um 4 Uhr morgens – zu einer Zeit, zu der selbst die Kaffeemaschine noch überlegt, ob sie wirklich schon zuständig ist.

Zuerst Patricia abholen, dann die gekühlten Lebensmittel einladen. In den Kühlboxen warteten Aufschnitt fürs Frühstück, Grillgut, Salat und das Fleisch für das Mittagessen am Sonntag auf ihre Reise nach Österreich. Anschließend ging es zum Jugendheim, wo Martin zu uns stieß und unser Küchenteam für dieses Jahr komplett machte.

Nach ein paar kurzen Gesprächen mit den Eltern wartete dort direkt die erste kulinarische Überraschung auf uns: Ein Vater unserer Teilnehmenden ist Imker und hatte uns Honig mitgebracht. Vielen Dank dafür! Damit ist zumindest schon einmal geklärt, dass uns beim Frühstück nicht alles ausgehen kann.

Dann mussten nur noch fünf Koffer in den Bulli, die nicht mehr in den Bus gepasst hatten. Aber ein Bulli ist bekanntlich erst dann voll, wenn wirklich nichts mehr durch die Tür passt.

Also: alles drin, Türen zu und ab auf die Autobahn.

Bis 8:30 Uhr lief die Fahrt tatsächlich nach Plan. Danach übernahm das Navi die kreative Reiseleitung:

„Schnellere Route verfügbar.“

„Umfahrung einer Sperrung.“

„Fahrstreifen gesperrt.“

„Baustelle voraus.“

„Du bist immer noch auf der schnellsten Route.“

„Deine Ankunft verzögert sich. Neue Ankunftszeit …“

Es verging gefühlt keine halbe Stunde, in der das Navi nicht eine neue Idee hatte. Nur eine Idee fehlte ihm konsequent: einfach ankommen.

Zwischendurch machten wir eine große Rundfahrt durch den Kreis Traunstein. Landschaftlich durchaus schön und offenbar hervorragend mit Feuerwehrgerätehäusern ausgestattet. Wir dürften an ungefähr fünfzehn vorbeigekommen sein.

Endlich in Österreich angekommen, ging dann gar nichts mehr: kompletter Stillstand. Im Schritttempo bewegten wir uns über die Autobahn. Immerhin musste das Navi für einen Moment keine neue Route berechnen.

Als es irgendwann wieder rollte, war klar: Es ist ziemlich spät geworden. Also nächste Abfahrt raus, denn für den Salat am Sonntag brauchten wir noch frische Ware.

Die Obst- und Gemüseauslage im MPreis sah allerdings schon vor unserer Ankunft so aus, als würde der Laden für sechs Wochen schließen. Wir haben trotzdem zusammengesucht, was noch da war. Als wir wieder gefahren sind, brauchte hinter uns jedenfalls niemand mehr zu kommen, der ebenfalls Obst oder Gemüse kaufen wollte.

Am Haus angekommen gab es die erste gute Nachricht: Die Küche sah in echt schon einmal besser aus als auf den Fotos.

Also Bulli auf, Kühlboxen raus und schnell einen kleinen Vorsprung erarbeiten. Kaum hatten wir richtig angefangen, kam allerdings auch schon der Bus um die Ecke. Damit war unser Vorsprung endgültig dahingeschmolzen.

Dann entdeckten wir etwas, das auf keinem der Fotos zu sehen gewesen war: einen Konvektomaten!

Auf früheren Freizeiten hatte ein solches Gerät bereits einen Namen, deshalb war die Sache schnell entschieden: Auch in diesem Jahr begleitet uns Susi durch die nächsten zwei Wochen. Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die einen Koch nach vielen Stunden Fahrt wieder glücklich machen.

Dank Susi waren die Würstchen schnell und schonend heiß. Der Salat stand am Buffet bereit, auf den Tischen wartete eine ordentliche Brotzeit – und kurz darauf bestätigte sich eine alte Ferienfreizeitregel:

Eine lange Busfahrt macht hungrig!

Nur beim Busfahrer mussten wir kurz improvisieren. Für ihn gab es Nudelsalat statt Kartoffelsalat. Wusste er ja nicht. Jetzt bitte auch niemand verraten. 😉

Nach dem Essen trat der erste Spüldienst an. Während Teller, Besteck und Schüsseln wieder sauber wurden, warteten auf uns noch Kisten, Lebensmittel und eine ganze Menge Dinge, die in der neuen Küche ihren Platz finden mussten.

Am Abend gab es in der Hammerrunde ausschließlich positives Feedback zum Essen. Der erste Kücheneinsatz kann damit als gelungen verbucht werden.

Einiges wurde noch sortiert, einiges weggeräumt und einiges gespült. Vor allem setzte sich aber ziemlich schnell eine Erkenntnis durch:

Müde. Müde. Müde.

Martin hatte dem Busfahrer noch angeboten, morgens für Frühstück zu sorgen. Als dieser erklärte, dass er bereits um 5:15 Uhr weiterfahren würde, war die Lage schnell geklärt: Wenn er mehr Schlaf bekommen wollte als in der vergangenen Nacht, musste er jetzt ins Bett.

Keine schlechte Idee.

Morgen ist schließlich auch noch ein Küchentag.