Das Frühstück war schnell auf den Weg gebracht.
Und wir hatten Kaffee!
Na gut, kalten Cappuccino. Kein wirklicher Ersatz für eine funktionierende Kaffeemaschine, aber immerhin sehr kaffeenah. In unserer aktuellen Situation lernt man schließlich, auch die kleinen Dinge zu würdigen.
Nachdem alles aus der Küche war, wurde Justus noch schnell instruiert, was wohin geräumt werden muss. Dann hieß es für das gesamte Küchenteam:
Einkaufen!
Auf nach St. Johann – oder besser gesagt: ab nach St. Johann. Der Ort liegt schließlich etwas tiefer als unser Haus.
Dort haben wir insgesamt fünf Läden geplündert und sind mit fast allem zurückgekehrt, was wir brauchten. Unsere größte Errungenschaft war allerdings weder eine besondere Zutat noch ein kulinarischer Geheimtipp.
Es war ein Kaffeefilteraufsatz.
Zurück am Haus bestand meine erste Amtshandlung deshalb darin, Wasser aufzusetzen und eine passende Kaffeekanne zu suchen. Während die Einkäufe eingeräumt, Kartoffeln geschält, Spinat vorbereitet und die Pfanne angeheizt wurden, habe ich ganz klassisch eine Kanne Kaffee aufgebrüht.
Oldschool.
Kann man mal machen!
Nebenbei wurde noch etwas aufgeräumt. Dabei fanden wir auf dem Buffet unsere eigenen Tomaten und Gurken wieder. Die hatten wir offenbar die ganze Zeit schon im Haus.
Sagen wir es so: Die Kommunikation hatte an dieser Stelle noch ein wenig Luft nach oben.
Dann ging es ans Mittagessen.
20 Kilogramm Kartoffeln sollten zu Kartoffelpüree verarbeitet werden. Der Plan war grundsätzlich gut. Leider wollten die Kartoffeln zunächst nicht weich werden.
Als sie irgendwann doch so weit waren, folgte die nächste Erkenntnis:
Wir haben keinen Kartoffelstampfer.
Also wurde improvisiert. Und zwar nicht ein bisschen, sondern so richtig.
Der Spinat auf dem Herd lief währenddessen quasi von allein und 300 Fischstäbchen mussten durch die Pfanne gezogen werden. Es brutzelte, dampfte und sah eigentlich so aus, als hätten wir alles im Griff.
Bis wir bemerkten, dass die Fischstäbchen nicht mehr fertig wurden.
Auch der Spinat und das Kartoffelpüree entwickelten sich temperaturmäßig in die falsche Richtung. Statt wärmer wurden sie langsam wieder kälter.
Stromausfall.
Allerdings nur in der halben Küche – und genau das machte die Sache so tückisch. Das Licht brannte, die Dunstabzugshaube lief und auch Susi arbeitete vollkommen unbeeindruckt weiter. Nur die Geräte, mit denen wir unser Mittagessen fertigstellen wollten, hatten ihren Dienst eingestellt.
Nachdem wir das Problem endlich erkannt hatten, drehten wir die Sicherungen für den Herd heraus. So konnten wir wenigstens die Kipppfanne wieder in Betrieb nehmen.
Das Mittagessen verspätete sich dadurch um etwa eine halbe Stunde. Aber am Ende bekamen wir alles heraus: Kartoffelpüree, Spinat und 300 Fischstäbchen.
Als kleine Überbrückung hatten wir noch eine riesige Wassermelone. Eigentlich war die für später gedacht, allerdings hatte sie den Weg vom Einkauf zum Haus nicht ganz unbeschadet überstanden.
Also wurde sie kurzerhand zum Mittagssnack erklärt.
Auch Probleme können manchmal sehr erfrischend sein.
Am Abend bekam der übrig gebliebene Kartoffelstampf seinen zweiten Auftritt. Wir haben ihn noch etwas aufgepeppt und daraus krosse Kartoffeltaler gebacken. Dazu gab es Apfelmus und – je nach Geschmack – eine Spinatcreme mit Feta und Knoblauch.
Zusätzlich wurden die übrig gebliebenen Brötchen vom Frühstück noch einmal aufgebacken.
Am Ende des Abendessens war alles weg.
So soll Resteverwertung aussehen.
Während der Spüldienst durch die Küche wirbelte, haben auch wir schnell zu Abend gegessen. Danach ging es für uns noch einmal zurück zum letzten Küchenaufräumen.
Inzwischen entwickelt sich daraus ein allabendliches Ritual:
Spülmaschine reinigen.
Frühstücksbehälter auffüllen.
Susi auf Hochglanz bringen.
Kipppfanne sauber machen.
Alles für den nächsten Morgen vorbereiten.
Mittlerweile sind wir so eingespielt, dass das tatsächlich wie am Schnürchen läuft. Jede und jeder weiß, was zu tun ist, und langsam findet sogar alles in der Küche seinen festen Platz.
Zum Abschluss saßen wir noch kurz auf der Bank vor dem Haus und ließen den Tag Revue passieren.
Dann wollten wir heute wirklich einmal früh ins Bett.
Am Ende war es doch 23 Uhr.
Aber immerhin: Die Kaffeemaschine fehlt zwar weiterhin – einen Filteraufsatz haben wir jetzt.
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